henningstrassburger

Day#28-29 // Those were the reasons and that was New York

In Uncategorized am 18. Mai 2011 um 8:14 am

Das Ende einer Reise, die keine Reise sein sollte, sondern ein Aufenthalt. Ich wollte kein Tourist sein, sondern einer der plötzlich da ist. Immer und überall. Ich wollte eine Art Extrem generieren: allein, bohémien, flanierend. Mich aufsaugen mit Neuem, Pfade einlaufen, Nachdenken, gewisse Dinge hinterfragen, Erkenntnisse gewinnen. Mit dem Druck von geschichtlichem im Rücken, dem Druck der Moderne. Dafür erschien mir New York sinnvoll, dafür erschien mir das Chelsea Hotel sinnvoll. Das Chelsea, immer wieder das Chelsea. Es hat sich gelohnt in diesem komischen Ding zu residieren, wo sich keiner um einen schert, wo man fast um Zuneigung ringen muss. Das einen komischen Rückzugsort bietet, wo aber doch noch immer absurdes stattfindet. Und sobald man diese Burg verlässt, steht man auf dem Laufsteg. Man wird registriert, nahezu angestarrt. Es ist diese Liebe der New Yorker für jegliche Extravaganz, welche kenntnisreich goutiert wird. Man will seltsames sehen. Anders als in Berlin, wo es allen total egal ist, wer du bist und wie du aussiehst, hauptsache du störst den anderen nicht. Nicht so hier, hier ist das optische Nahrung. Und das strengt an auf Dauer. Denn man gehört zum Bild. Es ist der Sound der Metropole. Es ist der süße Krach der Metropole.

Ich habe so viel Kunst gesehen wie wahrscheinlich noch nie zuvor in meinem Leben. Ich war in Ateliers, in Galerien, in Museen, in den Hochschulen, bei Eröffnungen. In solch einem Rausch alles sehen zu wollen war ich schon lange nicht mehr, es war wie eine Sucht. Ein Sucht nach Kunst, eine Suche nach Kunst. Dabei hatte ich das große Verlangen auch alle treffen zu wollen, weil es einfach möglich war. Und so hatte ich tolle Gespräche mit tollen Menschen, es stellte sich sogar ein inhaltliches Thema der Reise heraus. Es galt der Verschränkung von Text und Bild über das ich die ganze Zeit nachdenken musste.

Mit die besten Tage hatte ich dann in Chicago, weil ich dort neue Freunde gefunden habe. Diese Einigkeit war überwältigend und bedeutet mir sehr viel. Ich stellte auch fest, wie einfach es doch ist, auf Leute zuzugehen und sich zu öffnen. Ich konnte das lange nicht so unbefangen. Nun ging es und es hat sich jede Sekunde gelohnt. Denn hier in dieser eher intimen Großstadt tauchte ich als wirkliche Skurilität auf, ein großer Deutscher der plötzlich überall war (und ich gab mir Mühe überall zu sein). Man war an mir interessiert und ich an ihnen. Und so wurde ich innerhalb von Stunden integriert, da die Erkenntnis darüber, dass ich einer von ihrem Schlag war jede Fremdheit aufwog. Man legte mir im Scherz nahe als Bürgermeister zu kandidieren.

Fast zu bildhaft ist auch die Begebenheit, dass über 3 Wochen hinweg ständig ein Packet mit meinem neuen Katalog hinter mir her war, immer ein wenig zu spät. War er in Köln, war ich in New York, war er in New York, war ich in Chicago. Wartete ich bei der Post warfen sie ihn währenddessen dann doch in den Briefkasten. Wie als ob ich neuen Erkenntnissen entgegenpresche und mir verweigert wird, auf eine Basis zugreifen zu können. Ich war für alle immer ein unbeschriebenes Blatt. Die Beschriftung musste ich immer im selben Moment vornehmen. Das war eine Herausforderung. Es erdet, denn man muss seine Rolle definieren.

Die Erkenntnis meiner Reise?
Es geht nur um Qualität. Um nichts anderes und in allen Belangen.
Dafür hat es sich gelohnt.

Day#26-27 // Hardcore Artwalk

In Uncategorized am 15. Mai 2011 um 5:42 pm

Gestern Abend noch auf der Bühne, heute schon in einen Smalltalk verwickelt. Pianist Levingston und ich hielten einen kleinen Plausch auf der Straße. Wie es sich eben gehört unter Künstlern. Aber ich hatte es eilig, denn ich hatte eine Mission zu erfüllen, für den Kollegen Diefenbach im fernen Frankfurt:

–ERBEN GALLERY LOOKS GREAT–STOPP–TOLLE AUSSTELLUNG–STOPP–ERBEN SEHR NETT–STOPP–IRRE GUTES BILD VON KOETHER–STOPP


Erben Gallery

–TILTON IM DRITTEN ANLAUF ENDLICH GEFUNDEN–STOPP–STAFF SEHR UNFREUNDLICH–STOPP–AUSSTELLUNG BIZARR–STOPP–GROSSARTIGE RAEUME–STOPP–DIEFENBACH WAERE DORT MAL WIEDER FAELLIG–STOPP–UNBEDINGT SOGAR–STOPP–



Tilton Gallery

Dann hab ich noch 5000 andere Galerien angesehen, mein Gott, das nimmt alles gar kein Ende mehr. Allerdings war ich in einer fantastischen Gruppenausstellung nur mit Malerinnen, das war eines meiner highlights bisher. Eine Projektausstellung von Harris Liebermann, von Amy Sillmann über Cecily Brown bis Dana Schutz. Meine Lieblingsarbeit war aber ganz klar das Bild mit Henkeln oder Ohren (je nachdem) von der leider schon in den 90igern verstorbenen Künstlerin Moira Dryer. Ein Knaller. Auch gut fand ich Rebecca Morris und mit Joyce Pensato kann ich auch immer mehr anfangen.



Liebermann: A Painting Show


Moira Dryer


Zum Mittag habe ich mich dann in meinem Lieblingslokal mit den Kavi Gupta Leuten Julia und Peter getroffen, das war super nett. Das Lokal ist auch der Hit, für 13 Dollar tischen die einem Portionen auf, unfassbar und vorallem unschaffbar! Am Abend dann zur Eröffnung von „Gold Records“ – ich bin schon voll drin, es stürmte gleich die Assistentin von der James Fuentes Gallery auf mich zu, die ich am Nachmittag kennengelernt habe. So hatte ich gleich Smalltalk-Anschluss. Es war aber alles ohrenbetäubend laut, so voll war die Eröffnung. Mit Juliane dann weiter in die Beauty Bar gezogen, wo man sich während des Trinkens noch die Nägel machen lassen kann, zumindest als Frau. Ganz lustig, könnte auch in den Prenzlauerberg passen. Bars mit Clou. Wer’s mag…


Opening Gold Records



de Kooning at the Pace Gallery

Am Samstag nun in der Upper Eastside unterwegs gewesen und ziemlich ausgelaugt vom Big City Life. Nun gut. Nachdem ich nun endlich die Tilton Galerie gefunden hatte (ich hatte immer die falsche Adresse notiert) sah ich mir die GROSSARTIGE de Kooning Ausstellung bei Pace an. Meine Güte, ich konnte gar nicht mehr aufhören hinzusehen!
Am Abend wollte ich dann noch schnell zur Eröffnung des Whitney Study Program. Auf dem Weg durchs Treppenhaus im Chelsea dröhnte plötzlich Gitarrensound an mein Ohr und siehe da, in Zimmer 303 verbirgt sich doch tatsächlich ein Frisörstudio, das zur Sommerparty geladen hatte. Irgendwie ist es schon schräg hier und mir erschließt sich auch mehr und mehr das Geheimnis, was dieses Haus mit sich trägt. Es ist ein Hort von Seltsamkeiten. Gestern kam mir z.B. ein alter Mann mit weissen Haaren entgegen, die Haare waren aber komplett tätowiert. Er wohnt wohl im 2. Stock und keiner weiss was er macht. Man wird übrigens wenn man länger als 20Tage im selben Zimmer wohnt „Resident“ und bezahlt normal Miete. Das ist skuril.
Nun gut, ab zum Whitney Program. Das war aber eher lahm. Hier wird Kunst mehr oder weniger rein theoretisch gelehrt, so sah es dann auch alles aus – es hätte alles von ein und der selben Person stammen können. Aber das Programm hat ja einen ziemlich guten Ruf… Schnell ein Bier gekippt, ich konnte kaum noch stehen, weil ich so alle war.


Roomparty at The Chelsea


Whitney Study Program

Na ja, hilft ja aber alles nix, ich hatte ausserdem noch der Hotelconnection versprochen mit ins Moma PS1 zu kommen. Und das hat sich mal richtig gelohnt. Ich dachte ja ich gehe zu einer Performance, es war abe ein richtiges Konzert der Band SSION. Ich wunderte mich beim Warten auf meine Kumpels schon, warum immer mehr exzentrische Gestalten auftauchten, ein Typ der WIRKLICH Jesus war, Frauen mit extravagenter Robe und entblößten Hintern, vollbärtige Männer in Miniröcken. Dann ging das Konzert los und ich war echt geflashed, das war knallhart. Pop vom allerfeinsten, der Frontmann mit dem Charisma eines Freddy Mercury was mich sehr beeindruckte, und eine tolle Bühnenshow, voll mit tausend Lady Gagas als Background, dagegen ist die eine Grundschülerin. Allein jeder einzelne Bandmusiker war eine völlig präzise Figur, da war von den Beachboys bis Klaus Nomi, The Strokes bis Rufus Waynwright alles dabei, und die Frauen erst… Super, ich werde definitiv ein Fan! „So muss 2011 aussehen“ sprachs und wir begossen und betanzten die Erkenntnis in 3 weiteren Clubs und einer Houseparty. Keine Ahnung wo ich war, aber danach alleine mit dem Taxi durch die nächtlich düstere Stadt zu fahren hatte etwas sehr befreiendes.


SSION

Day#25 // Leo Koenig Opening and Carnegie Hall

In Uncategorized am 13. Mai 2011 um 3:09 pm

Am Mittag hatte ich einen Termin im Art Institute in der Eldridge Street, welches von Anthony Hubermann betrieben wird. Ein ziemlich interessanter Projektraum, denn über 6 Monate wird sich in diesem Institut mit der Arbeit eines einzelnen Künstlers auseinandergesetzt und nach dessen Berührungspunkte mit anderen Künstlern gesucht. Im Moment gab es Arbeiten von Jo Baer zu sehen, das sah ziemlich interessant aus! Ein Ort zum merken!

Danach ging es weiter in die Nicelle Beauchene Gallery, wo es eine sehr schöne Ausstellung von Cheryl Donegan & Tom Meacham zu sehen gab. Von der Galerie wird auch mein Kumpel Jim Lee vertreten, klein aber fein!


Nicelle Beauchene Gallery

Da ich schonmal in der Gegend war kam ich nicht umhin, nochmal in Chinatown essen zu gehen. Wer immer die Gelegenheit hat: es gibt Restaurants wo man für 4 Dollar 4 Speisen aussuchen kann, das ist super lecker und man hat eine riesige Auswahl. Da kann man süchtig werden! Aber die Zeit drängt, ich habe eine Verabredung mit David Nolan in seiner Galerie, wir hatten uns in Chicago verabredet. David ist großartig und ich freue mich schon auf seine neue Galerie in Berlin in der Potsdamer Straße, im Gebäude des Tagesspiegels. Hier gibt es aber erstmal eine sehr schöne Ausstellung von Alexander Ross zu sehen. Danach noch eben zu Luhring Augustein, wo es eine wahnsinnig tolle Kippenberger Ausstellung gibt. WOW!!


David Nolan Gallery


Luhring Augustein Gallery

Auf dem Heimweg lief ich Wendy White und ihrem Mann über den Weg, wie schön. Wir genehmigten uns einen Drink, dann ging es zur Eröffnung von Torben Giehler bei Leo Koenig. Es war rammelvoll, die Ausstellung war ziemlich gut. Giehler ist bei uns ja immer noch ziemlich unbekannt, hier aber glaube ich eine große Nummer. Im Projektraum gab es noch eine Ausstellung von Tony Tasset, weswegen auch die Kavi Gupta Crew aus Chicago da war. Wir verabredeten uns alle für den nächsten Tag, denn leider musste ich schon wieder weiter, auf dem Weg sah ich mir noch schnell die Kate Moss Show nebenan an, wie zu erwarten alles voller fashionistos und -as…


Opening Leo Koenig – Kind nicht Teil der Ausstellung…

Wie ich ja schon berichtete bin ich jetzt (zeitweise) Teil des Chelsea-Hotelclans, weswegen ich auch mit einer Freikarte für das Konzert des Pianisten Bruce Levingston bekam, der hier im 2. Stock residiert. Hervorragend, denn so hatte ich Gelegenheit umsonst in die Carnegie-Hall zu kommen! Levingston spielte in einer etwas effektforcierten Weise ein sehr gemischtes Programm zusammen mit dem Geiger Colin Jacobsen, der sicherlich nicht zu den besten seiner Zunft gehören dürfte. Es war aber ein sehr netter Abend, obwohl mir dieser scharfe amerikanische Streicherklang ein wenig aufs Gehör schlug. Dieser passte nämlich überhaupt nicht zur Stückauswahl, nichtsdestotrotz, wer einmal die Gelgenheit haben sollte Avo Pärts Concerto für Violine und Klavier „Spiegel im Spiegel“ zu hören, es ist ein fantastisches Stück!!!! Das Publikum war klatsch- und feierfreudig, hier gibts gleich für alles Standing Ovations.
Danach war ich aber alle, obwohl der Kollege Marlon noch um die Häuser ziehen wollte musste ich passen, so langsam schlaucht das Leben hier und das ständige Rumgerenne, ich muss mal wieder ins Atelier…

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