Das Ende einer Reise, die keine Reise sein sollte, sondern ein Aufenthalt. Ich wollte kein Tourist sein, sondern einer der plötzlich da ist. Immer und überall. Ich wollte eine Art Extrem generieren: allein, bohémien, flanierend. Mich aufsaugen mit Neuem, Pfade einlaufen, Nachdenken, gewisse Dinge hinterfragen, Erkenntnisse gewinnen. Mit dem Druck von geschichtlichem im Rücken, dem Druck der Moderne. Dafür erschien mir New York sinnvoll, dafür erschien mir das Chelsea Hotel sinnvoll. Das Chelsea, immer wieder das Chelsea. Es hat sich gelohnt in diesem komischen Ding zu residieren, wo sich keiner um einen schert, wo man fast um Zuneigung ringen muss. Das einen komischen Rückzugsort bietet, wo aber doch noch immer absurdes stattfindet. Und sobald man diese Burg verlässt, steht man auf dem Laufsteg. Man wird registriert, nahezu angestarrt. Es ist diese Liebe der New Yorker für jegliche Extravaganz, welche kenntnisreich goutiert wird. Man will seltsames sehen. Anders als in Berlin, wo es allen total egal ist, wer du bist und wie du aussiehst, hauptsache du störst den anderen nicht. Nicht so hier, hier ist das optische Nahrung. Und das strengt an auf Dauer. Denn man gehört zum Bild. Es ist der Sound der Metropole. Es ist der süße Krach der Metropole.
Ich habe so viel Kunst gesehen wie wahrscheinlich noch nie zuvor in meinem Leben. Ich war in Ateliers, in Galerien, in Museen, in den Hochschulen, bei Eröffnungen. In solch einem Rausch alles sehen zu wollen war ich schon lange nicht mehr, es war wie eine Sucht. Ein Sucht nach Kunst, eine Suche nach Kunst. Dabei hatte ich das große Verlangen auch alle treffen zu wollen, weil es einfach möglich war. Und so hatte ich tolle Gespräche mit tollen Menschen, es stellte sich sogar ein inhaltliches Thema der Reise heraus. Es galt der Verschränkung von Text und Bild über das ich die ganze Zeit nachdenken musste.
Mit die besten Tage hatte ich dann in Chicago, weil ich dort neue Freunde gefunden habe. Diese Einigkeit war überwältigend und bedeutet mir sehr viel. Ich stellte auch fest, wie einfach es doch ist, auf Leute zuzugehen und sich zu öffnen. Ich konnte das lange nicht so unbefangen. Nun ging es und es hat sich jede Sekunde gelohnt. Denn hier in dieser eher intimen Großstadt tauchte ich als wirkliche Skurilität auf, ein großer Deutscher der plötzlich überall war (und ich gab mir Mühe überall zu sein). Man war an mir interessiert und ich an ihnen. Und so wurde ich innerhalb von Stunden integriert, da die Erkenntnis darüber, dass ich einer von ihrem Schlag war jede Fremdheit aufwog. Man legte mir im Scherz nahe als Bürgermeister zu kandidieren.
Fast zu bildhaft ist auch die Begebenheit, dass über 3 Wochen hinweg ständig ein Packet mit meinem neuen Katalog hinter mir her war, immer ein wenig zu spät. War er in Köln, war ich in New York, war er in New York, war ich in Chicago. Wartete ich bei der Post warfen sie ihn währenddessen dann doch in den Briefkasten. Wie als ob ich neuen Erkenntnissen entgegenpresche und mir verweigert wird, auf eine Basis zugreifen zu können. Ich war für alle immer ein unbeschriebenes Blatt. Die Beschriftung musste ich immer im selben Moment vornehmen. Das war eine Herausforderung. Es erdet, denn man muss seine Rolle definieren.
Die Erkenntnis meiner Reise?
Es geht nur um Qualität. Um nichts anderes und in allen Belangen.
Dafür hat es sich gelohnt.



















































